Bei Achtsamkeit geht es nicht um Entspannung. Es geht darum, sich selbst zu begegnen.

Ich habe ein Wochenende damit verbracht, Achtsamkeit zu praktizieren und darüber nachzudenken. Darüber, wie gut es uns tut, im gegenwärtigen Moment zu sein, aufmerksam zu sein und bewusst wahrzunehmen – unsere Gedanken, unsere Gefühle, alles um uns herum und in uns. Es bringt uns uns selbst näher.

Interessanterweise besteht der eigentliche Sinn von Achtsamkeit nicht unbedingt darin, sich zu entspannen, sondern vielmehr darin, bewusster zu werden. In diesem Sinne kann Achtsamkeit sogar ziemlich herausfordernd sein. Was ist, wenn dir plötzlich unangenehme Gefühle bewusst werden – Traurigkeit, Neid, Angst oder Einsamkeit?

Der Punkt ist: Nur indem wir bewusst wahrnehmen – indem wir achtsam und aufmerksam mit uns selbst sind – können diese Dinge überhaupt an die Oberfläche kommen. Schwierige Gefühle zu unterdrücken hilft uns nicht weiter. Wir müssen sie durchleben, um auf der anderen Seite wieder ganz aus ihnen hervorzugehen.

Wenn du heute, im Jahr 2026, in einer modernen Gesellschaft lebst, vielleicht in einer Stadt, ein Smartphone besitzt und ständig mit Vorstellungen bombardiert wirst davon , wie das Leben sein sollte – durch Filme, Bilder, soziale Medien, Menschen in deinem Umfeld oder Menschen, die du bewunderst (oder ablehnst) –, dann bist du mir vielleicht gar nicht so unähnlich.

Ich verbringe definitiv zu viel Zeit an meinem Handy. Ich brauche es inzwischen sogar nur, um mich am Computer auf der Arbeit anzumelden (ja, natürlich per Zwei-Faktor-Authentifizierung), und ständig ploppen irgendwelche Nachrichten auf. Gleichzeitig versuche ich, viel zu viel unter einen Hut zu bekommen. Ich habe Verpflichtungen. Ich muss arbeiten. Dann möchte ich interessante Themen recherchieren. Ich „möchte“ durch LinkedIn oder Facebook scrollen (oder zumindest tue ich es, ob ich will oder nicht). Ich muss die Nachrichten aus der Schule meiner Kinder im Blick behalten – und so weiter.

Mit anderen Worten: Einen großen Teil meines Tages verbringe ich außerhalb meiner Gefühle und außerhalb meines Körpers. Mein Kopf läuft fast ständig auf Hochtouren. Es ist zur Gewohnheit geworden. Es ist mein Standardmodus. Und inzwischen fällt es mir viel leichter, außerhalb meines Körpers zu bleiben – zu denken, zu analysieren und dann noch mehr zu denken –, als die Welt für einen Moment leiser werden zu lassen, mich nach innen zu wenden und einfach einmal nichts zu tun.

Und all dieses Denken macht mich langsam müde. Indem ich meinen Geist nie wirklich zur Ruhe kommen lasse, verliere ich ein Stück weit mich selbst.

In letzter Zeit habe ich zum Beispiel sehr viel über meine berufliche Zukunft nachgedacht. Was möchte ich in Zukunft machen? Was ist mein nächster Schritt? Was muss ich tun, um dorthin zu gelangen? Welche Möglichkeiten habe ich? Sollte ich noch eine Weiterbildung oder Ausbildung machen?

Ich glaube, dass ich diese Fragen durchaus vernünftig angehe. Ich denke über meine Stärken nach, über meine Interessen und darüber, welches Leben ich eigentlich führen möchte. Und trotzdem übersehe ich dabei meine grundlegendsten Bedürfnisse – die, auf die meine Gefühlswelt mich aufmerksam machen möchte, wenn ich ihr nur zuhören würde.

Heute, im Jahr 2026, im Zeitalter von Smartphones, künstlicher Intelligenz, Unterhaltung auf Knopfdruck und ständigem Tempo im Berufsleben, habe ich den Eindruck, dass viele von uns verlernt haben, sich selbst wirklich zu spüren.

Das Problem ist: Wir sind nicht dafür gemacht, ausschließlich in unserem Kopf zu leben. Wir sind auch Körper und Seele – und keinen dieser Teile können wir dauerhaft vernachlässigen.

Dieses Wochenende mit der Achtsamkeit hat mir genau das noch einmal sehr deutlich gezeigt.

Und ich habe gelernt, dass Achtsamkeit nicht (nur) bedeutet, täglich 45 Minuten mit leerem Kopf zu meditieren. Wenn dir das gelingt – wunderbar. Die meisten von uns werden das weder können noch die Zeit dafür aufbringen.

Aber zwei Minuten am Tag (oder vielleicht fünf, wenn du schon etwas geübt hast 😉), in denen du einer Kerzenflamme zusiehst, deinen Atem wahrnimmst, dein Essen wirklich betrachtest, bevor du es isst, oder – einer meiner Favoriten – beim Spazierengehen die Blätter der Bäume wirklich anschaust, die Luft riechst und den Wind auf deiner Haut spürst … auch das ist Achtsamkeit.

An diesem Wochenende habe ich gelernt, dass Achtsamkeit die bewusste, vorurteilsfreue, wohlwollende Ausrichtung unserer Aufmerksamkeit ist.

Was für eine Definition.

Bewusst, weil wir unsere Aufmerksamkeit aktiv lenken.

Vorurteilsfrei, weil jeder Gedanke und jede Beobachtung willkommen ist.

Wohlwollend, weil wir da nicht wie Wissenschaftler rangehen, die ein Forschungsobjekt objektiv untersuchen. Stattdessen richten wir unsere Aufmerksamkeit mit Wärme, Mitgefühl und Freundlichkeit auf das, was wir wahrnehmen.

Und was macht man dann?

Man hört zu.

Man beobachtet.

Man lässt alles andere für einen Moment still werden.

Man bleibt im gegenwärtigen Augenblick.

Natürlich werden Gedanken an die Vergangenheit oder die Zukunft auftauchen. Das tun sie immer (mach dir deshalb bitte keine Vorwürfe). Achtsamkeit lädt uns lediglich dazu ein, diese Gedanken wahrzunehmen und unsere Aufmerksamkeit anschließend sanft wieder auf das zu richten, worauf wir sie ursprünglich lenken wollten. Manchmal bemerkst man das schnell, manchmal erst später. Beides ist völlig in Ordnung.

Was ich an diesem Wochenende erfahren habe, ist, dass Achtsamkeit mir hilft, mit mir selbst verbunden zu bleiben. Sie hilft mir, bessere Entscheidungen zu treffen. Und sie verändert die Energie, mit der ich der Welt begegne.

Und was meine kreisenden Gedanken über meine berufliche Zukunft betrifft?

Nun – ich habe ein paar Dinge wiederentdeckt, die mich wirklich nähren. Dinge, die ich längst vergessen hatte.

Welche Erfahrungen hast du mit Achtsamkeit gemacht? Was hat sie in deinem Leben verändert?

Mit Dankbarkeit gegenüber den Achtsamkeits-Lehrenden des ICA Berlin, deren Unterricht viele der Gedanken in diesem Beitrag inspiriert hat.

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