Gefühle
Gefühle sind eine gefährliche Angelegenheit. Und gleichzeitig sind sie es, die das Leben lebenswert machen.
Nicht mehr zu fühlen würde wahrscheinlich bedeuten, tot zu sein. Warum also versuchen wir so sehr, unangenehme Gefühle zu vermeiden — und jagen gleichzeitig den guten hinterher? Vielleicht ist die bessere Frage: Funktioniert das überhaupt? Und dient es uns wirklich?
Ich habe viele Jahre meines Lebens damit verbracht, nach Glück zu suchen. Ich habe mich in diesem Streben ständig beschäftigt gehalten — und versucht, alles wegzudrücken, was sich nicht gut angefühlt hat. Unangenehme Gefühle fühlten sich wie ein Versagen an. Als wäre etwas falsch mit mir.
Einsamkeit war eine ständige Begleiterin. Und das Gefühl, nicht dazuzugehören. Als Kind kam ich nach Hause und sagte: „Niemand will mit mir spielen. Ich habe keine Freunde.“
Und gleichzeitig riefen andere Kinder aus der Nachbarschaft: „Stefanie, willst du mitspielen?“ Es ist seltsam, wie wir etwas so tief fühlen können, selbst wenn die äußere Realität anders aussieht. Und trotzdem glaube ich nicht, dass ich völlig falsch lag. Es waren vielleicht Menschen da — aber das bedeutete nicht, dass ich mich verbunden gefühlt habe.
Als ich nach Kopenhagen gezogen bin, um meine akademische Laufbahn zu verfolgen, ist die Einsamkeit mit mir mitgezogen. Ich erinnere mich, wie ich in einer Buchhandlung ein kleines Buch in die Hand genommen habe: Alone but not lonely. Es lag jahrelang auf meinem Nachttisch. Ich habe es mehr als einmal gelesen. Es hat mir sanft versucht zu vermitteln, dass es in Ordnung ist, allein zu sein. Aber die Wahrheit war: Ich war einsam.
Und das ist etwas, was ich erst viel später gelernt habe: Es bringt nichts, sich selbst davon überzeugen zu wollen, nicht zu fühlen, was man fühlt. Im Gegenteil — die Dinge beginnen sich viel schneller zu verändern, wenn man das Gefühl zulässt. Einsam. Traurig. Enttäuscht. Nervös. Wütend.
Ich habe einmal gehört, dass ein Gefühl etwa 90 Sekunden anhält. Alles, was länger bleibt, ist die Geschichte, die wir darum herum erzählen. Hast du schon einmal versucht, mit einem Gefühl zu sitzen — und einfach zu beobachten, wie es sich durch deinen Körper bewegt? Ohne es wegzudrücken. Ohne es zu erklären. Einfach zulassen. Wenn du das getan hast, hast du vielleicht bemerkt: Es hat dich nicht zerstört. Ganz im Gegenteil. Es hat dich lebendig fühlen lassen. Menschlich. Verbunden. Ganz.
Und noch etwas passiert: Wenn du dir erlaubst, die schwierigen Gefühle zu fühlen, öffnest du gleichzeitig die Tür zu den guten. Freude. Aufregung. Liebe. Du erlebst sie intensiver.
Und vielleicht am wichtigsten: Wenn du aufhörst, deine Gefühle zu vermeiden, kommst du dir selbst näher. Und das ist ein großer Schritt in Richtung deines eigenen Selbst.
